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Kindheitstraum in Reggae-Rhythmen: UB40 live im Kölner E-Werk

UB40 Konzert Köln Review

Es gibt Momente, in denen sich ein Kreis schließt. Meine Geschichte mit UB40 begann in einer Zeit der Grenzen – geografisch und politisch. Ich war gerade elf Jahre alt, als ich hinter dem Eisernen Vorhang zum ersten Mal ihren unverwechselbaren Sound im Radio hörte. In den Sommern 1983 und 1984 waren sie allgegenwärtig. Diese Mischung aus entspanntem Reggae und packenden Pop-Melodien war für mich damals der Inbegriff von Freiheit. Mehr als vier Jahrzehnte später stehe ich nun vor dem Kölner E-Werk, völlig aufgeregt, um mir endlich einen Traum zu erfüllen: Die Band unter der Leitung von Robin Campbell zum ersten Mal live zu sehen.

Ein Dancehall-Feeling mitten in Köln

Schon beim Betreten des E-Werks war die Energie spürbar. Das Publikum war eine bunte Mischung aus Nostalgikern und neuen Fans, doch eines einte uns alle: die Vorfreude auf diesen legendären Sound. Als die Band unter der Leitung von Gründungsmitglied Robin Campbell schließlich die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Das E-Werk verwandelte sich augenblicklich in eine riesige Tanzfläche. Der neue Sänger Matt Doyle, der seit 2021 dabei ist, meisterte die Fußstapfen mit Bravour und einer beeindruckenden stimmlichen Präsenz. Man merkte sofort: Diese Formation ist perfekt eingespielt. Die Bläsersektion saß messerscharf, und der Rhythmus war so mitreißend, dass man gar nicht anders konnte, als sich zu bewegen.

Die Hits: Eine Reise durch die Jahrzehnte

Die Setlist war ein perfekt kuratierter Streifzug durch eine beispiellose Karriere. Schon früh im Set packte mich die Emotion bei „Homely Girl“ und dem politisch aufgeladenen „One in Ten“. Es ist faszinierend zu sehen, wie UB40 es schafft, Klassiker anderer Künstler so zu interpretieren, dass sie sich wie ihre eigenen anfühlen. Ob Bob Dylans „I’ll Be Your Baby Tonight“ oder der Temptations-Klassiker „The Way You Do the Things You Do“ – alles erstrahlte im typischen, sonnigen Reggae-Gewand. Matt Doyle interpretierte die Songs mit einer Frische, die der Band sichtlich gut tat.

Ein persönliches Highlight war für mich „Many Rivers to Cross“. In diesem Moment fühlte ich mich wieder wie der 11-jährige Junge von damals. Die Band brachte eine Tiefe rüber, die den ganzen Raum für einen Moment stillstehen ließ.

Das Finale: Nostalgie pur

Gegen Ende des Abends steuerte die Stimmung auf ihren Siedepunkt zu. Als die ersten Takte von „Red Red Wine“ erklangen, gab es im E-Werk kein Halten mehr. Es war wie der größte Karaoke-Abend Kölns – tausende Stimmen sangen im Chor, vereint in dieser universellen Melodie. Mit „Kingston Town“ schickten uns Robin Campbell und seine Mitstreiter auf eine letzte wehmütige Reise, bevor der Abend mit dem Elvis-Cover „(I Can’t Help) Falling In Love With You“ endete.

Fazit: Ein Abend für die Ewigkeit

Für mich war es nicht nur ein Konzert, sondern das Einlösen eines Versprechens an mein jüngeres Ich. UB40 unter der Leitung von Robin Campbell haben bewiesen, dass ihr Erbe lebendiger ist denn je. Auch wenn er nicht der Originalsänger von UB40 ist, hat Matt Doyle eine grandiose Arbeit geleistet und den Songs eine neue, vitale Energie verliehen. Ich verließ das E-Werk mit einem Lächeln im Gesicht und der Gewissheit: Manche Träume brauchen 40 Jahre, um wahr zu werden – aber das Warten hat sich jede Sekunde gelohnt.

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