Wenn eine Band innerhalb weniger Jahre zum dritten Mal in derselben Stadt gastiert, könnte man meinen, die Routine hätte längst Einzug gehalten. Doch wer gestern Abend im Club Bahnhof Ehrenfeld (CBE) Zeuge der südkoreanischen Rock-Sensation Rolling Quartz wurde, weiß es besser. Nach ihren ersten beiden Auftritten im Club Volta und der Essigfabrik markierte diese Show im Kölner Ehrenfeld nicht nur eine Fortsetzung ihrer Reise, sondern einen neuen Höhepunkt an Intensität, Professionalität und emotionaler Tiefe. Es war ein Abend, der bewies, dass Rockmusik keine Sprachbarrieren kennt und dass Authentizität das stärkste Werkzeug einer Band ist.
Bereits vor dem Einlass war die Spannung in der Schlange vor dem Club spürbar. Fans, die teilweise aus ganz Deutschland angereist waren, tauschten Erinnerungen an die vergangenen Touren aus. Doch trotz dieser Vorfreude schwebte die Frage im Raum: Kann eine Band, die man schon zweimal gesehen hat, einen noch einmal so richtig überraschen? Die Antwort gaben Jayyoung, Iree, Hyunjoo, Arem und Yeongeun bereits mit den ersten Takten von RE.BOLD. Mit einem wuchtigen Intro starteten die fünf Musikerinnen in ein Set, das von der ersten Sekunde an klarmachte: Hier wird nicht einfach nur ein Programm abgespult, hier wird gelebt.
Professionalität trifft auf ungefilterte Natürlichkeit
Was Rolling Quartz von vielen anderen Acts unterscheidet, ist die seltene Balance zwischen technischer Perfektion und einer fast schon entwaffnenden Natürlichkeit. Man merkt den Musikerinnen in jeder Sekunde an, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Die Riffs sitzen präzise, das Zusammenspiel ist blind, und die Produktion wirkt international konkurrenzfähig. Und doch ist da dieser Funke an Menschlichkeit, der im CBE besonders hell leuchtete. Es ist diese Nähe zu den Fans, die nicht einstudiert wirkt. Wenn die Bandmitgliederinnen immer wieder kurze Grußbotschaften auf Deutsch aufsagten, war das mehr als nur eine nette Geste – es war ein echtes Bemühen um Kommunikation und Wertschätzung gegenüber der lokalen Community.
Diese Natürlichkeit zeigte sich auch in der Dynamik auf der Bühne. Trotz des Status als „Idol-Rockband“ im weiteren Sinne, fühlen sie sich im Club-Umfeld am wohlsten. Die Schweißperlen, das Lachen zwischen den Songs und die Interaktion mit der ersten Reihe machten den Abend zu einem Gemeinschaftserlebnis. Es war kein Konzert von oben herab, sondern eine gemeinsame Feier der Rockkultur.
Ein Set der individuellen Glanzleistungen
Die Dramaturgie des Abends war klug gewählt. Die Setlist war bunt gemischt und bot eine Reise durch die Diskografie der Band sowie geschickt platzierte Cover-Versionen. Ein besonderes Merkmal dieser Tour ist, dass jedes Mitglied seine „fünf Minuten“ auf der Bühne bekommt, um das eigene Können unter Beweis zu stellen. Das ist im modernen Rock-Kontext keineswegs selbstverständlich, unterstreicht hier aber den Charakter einer echten Band-Unit.
Yeongeun am Schlagzeug ist das rhythmische Herzstück, das bei Rock’n’roll Paradise mit einem fulminanten Solo glänzte, das die Wände des CBE zum Beben brachte. Kurz darauf folgte ein weiteres Highlight: Bei Roll the Dice durfte Arem zeigen, warum sie zu den versiertesten Bassistinnen der aktuellen Szene gehört. Es war das erste Mal, dass dieser Song live präsentiert wurde, und ihr Bass-Solo verlieh dem Track eine unglaubliche Schwere und Coolness.
Auch die Gitarrenarbeit von Iree und Hyunjoo war schlichtweg beeindruckend. Vor Songs wie Azalea und Stand Up nahm sich Iree die Zeit für ausgedehnte Soli, die mal melancholisch-verspielt, mal aggressiv-treibend waren. Diese Momente gaben den Songs eine neue Dimension, die über die Studioversionen hinausging. Jayyoungs Gesang thronte über allem – kraftvoll, rau und dennoch in den leiseren Momenten von einer beeindruckenden Zerbrechlichkeit.
K-Rock auf dem Vormarsch
Ein interessanter Aspekt des Abends war die Integration von Cover-Songs, die Rolling Quartz auf ihre ganz eigene Weise interpretierten. Das Medley aus Pink Venom (BLACKPINK) und MIC Drop (BTS) zeigte ihre Wurzeln und ihre Fähigkeit, Pop-Strukturen in ein hartes Rock-Gewand zu hüllen. Besonders emotional wurde es bei GOOD NIGHT, einem Cover ihrer Kolleginnen von Dreamcatcher, das vom Kölner Publikum lautstark mitgesungen wurde. Doch am Ende waren es die eigenen Kompositionen wie Fearless oder das abschließende Sing Your Heart Out, die den bleibenden Eindruck hinterließen.
Der Abschluss des Konzerts war genau das, was man sich von einer Rockshow erhofft: verschwitzt, laut und mit dem Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Rolling Quartz haben in Köln bewiesen, dass sie keine Eintagsfliege sind, sondern eine Band, die mit jedem Besuch wächst. Wer dachte, nach dem dritten Mal gäbe es nichts Neues mehr zu entdecken, wurde eines Besseren belehrt. Die Power dieser fünf Frauen ist ansteckend und ihre Professionalität steht ihrer Herzlichkeit in nichts nach. So, und nicht anders, sollte eine moderne Rockshow aussehen. Man kann nur hoffen, dass das vierte Date in Köln nicht allzu lange auf sich warten lässt.
Alle Fotos JB der laufende Fotograf
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