David Duchovny im Bürgerhaus Stollwerck: Ein Abend zwischen Americana, leisen Tönen und einem ziemlich großen Monster
Manche Künstler kennt man zunächst aus einer ganz anderen Welt. Bei David Duchovny denken viele wahrscheinlich zuerst an Fox Mulder, an Akte X und an die Frage, ob wir wirklich allein im Universum sind. Andere verbinden seinen Namen mit Hank Moody aus Californication. Doch wer den US-amerikanischen Schauspieler im Bürgerhaus Stollwerck in Köln erlebt, merkt schnell: Hier steht längst nicht mehr nur ein Hollywood-Star, der sich nebenbei musikalisch ausprobiert. Hier steht ein Musiker, der seine Songs ernst nimmt und sichtlich Freude daran hat, sie mit seinem Publikum zu teilen.
Für mich sind solche Abende besonders spannend. Denn auf einer Konzertbühne zählen am Ende weder berühmte Filmrollen noch große Namen auf einem Plakat allein. Entscheidend ist, was zwischen Künstler und Publikum passiert – und ob die Musik auch dann funktioniert, wenn man die Person dahinter einmal nicht durch die Kamera oder den Bildschirm betrachtet.
Zwischen Americana, Alternative Rock und persönlichen Geschichten
Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit David Duchovny mit Hell or Highwater sein musikalisches Debüt veröffentlichte. Inzwischen ist daraus eine eigenständige zweite Karriere geworden. Vier Alben und zahlreiche Konzerte später wirkt die Musik nicht wie ein kurzer Ausflug eines Schauspielers in ein anderes Metier, sondern wie ein Projekt, das über die Jahre gewachsen ist.
Musikalisch bewegt sich Duchovny zwischen Americana, Alternative Rock und melodischen, eher zurückhaltenden Arrangements. Wer hier einen lauten Rockabend erwartet, bei dem jede Nummer möglichst groß und möglichst druckvoll ausfallen muss, dürfte überrascht sein. Seine Songs leben vielmehr von Atmosphäre, persönlichen Texten und dem Wechsel zwischen ruhigen Passagen und kräftigeren Gitarrenmomenten.
Der Auftakt mit „Nights Are Harder These Days“ führt direkt in diese musikalische Welt. Mit „Every Third Thought“, „Let It Rain“ und „Catherine’s Wheel“ nimmt der Abend weiter Gestalt an. Es geht nicht darum, mit spektakulären Gesten möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vielmehr dürfen die Songs für sich sprechen.
Duchovny ist dabei kein Sänger, der mit einer außergewöhnlichen Stimme jede andere Facette der Musik in den Schatten stellt. Das muss er auch nicht sein. Seine Stärke liegt in der unaufgeregten Art, mit der er seine Stücke präsentiert. Er wirkt nicht wie jemand, der seinem Publikum unbedingt beweisen muss, dass er auch Musiker sein kann. Stattdessen entsteht der Eindruck eines Künstlers, der genau das tut, worauf er Lust hat – und der seine Begeisterung dafür nicht verstecken muss.
Wenn persönliche Gedanken zu gemeinsamen Momenten werden
Mit Titeln wie „Everyone Gets Lost“, „Holding Patterns“ und „Giving Up The Ghost“ zeigt sich die nachdenklichere Seite des Abends. Duchovny verarbeitet in seinen Songs persönliche Erfahrungen, Beziehungen und jene Unsicherheiten, die zum Leben dazugehören. Dabei bleiben die Geschichten nicht ausschließlich privat. Gerade weil sie nicht mit großen Erklärungen oder übertriebenem Pathos aufgeladen werden, können sich auch andere darin wiederfinden.
Ein Titel wie „Layin‘ on the Tracks“ bringt eine deutlichere, politischere Schärfe ins Programm. Duchovny nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, wenn es um seine Haltung zur aktuellen politischen Situation in den USA geht. Das verleiht dem Abend neben den ruhigeren, introspektiven Momenten eine weitere Facette.
Für mich liegt genau darin ein Reiz solcher Konzerte: Nicht jeder Song muss ein Hit sein, nicht jede Passage muss nach dem großen Finale klingen. Manchmal reicht es, wenn ein Musiker eine Geschichte erzählt, eine Stimmung entstehen lässt und dem Publikum Raum gibt, sich darauf einzulassen.
Auch die Band trägt entscheidend dazu bei. Die Arrangements bewegen sich zwischen zurückgenommenen Momenten und kräftigeren Rockpassagen. Die Musik darf atmen, ohne an Energie zu verlieren. Es geht nicht um technische Selbstdarstellung, sondern darum, die Songs gemeinsam auf die Bühne zu bringen.
Mit „Stranger in the Sacred Heart“, „Impossibly Tonight“, „London“ und „Half Life“ führt der Weg anschließend wieder zurück zu den unterschiedlichen Facetten seines Songwritings. Der Titeltrack „Prince of Pieces“ setzt einen weiteren Schwerpunkt und unterstreicht die Bedeutung des aktuellen Albums für das Programm.
Ein perfekter Tag und die Rückkehr zum Anfang
Auch nach dem letzten regulären Song ist noch nicht Schluss. Für die Zugabe kehrt Duchovny mit „Perfect Day“, „Hell or Highwater“ und „When the Whistle Blows“ zurück.
Gerade „Hell or Highwater“ besitzt dabei eine besondere Bedeutung. Der Song erinnert an den Anfang seiner musikalischen Reise und schließt den Kreis zu jenem Album, mit dem vor mehr als einem Jahrzehnt alles begann. Es ist ein schöner Gedanke, dass aus einem Projekt, das manche vielleicht zunächst als Prominenten-Hobby abgetan hätten, eine Karriere entstanden ist, die mittlerweile von zahlreichen Konzerten und mehreren Alben getragen wird.
Und genau hier liegt für mich die eigentliche Stärke dieses Abends: David Duchovny muss seine Musik nicht größer machen, als sie ist. Er muss nicht versuchen, seine Filmkarriere auf der Bühne zu wiederholen, und er muss auch nicht beweisen, dass er plötzlich ein völlig anderer Mensch geworden ist. Er bringt seine Songs mit, eine Band, hörbare Spielfreude und die Bereitschaft, sein Publikum an dieser Seite seiner künstlerischen Persönlichkeit teilhaben zu lassen.
Mehr als Fox Mulder mit Gitarre
Was bleibt nach dem Konzert im Bürgerhaus Stollwerck? Vor allem der Eindruck eines Künstlers, der seine zweite Karriere nicht als Pflichtprogramm behandelt. David Duchovny wirkt nicht wie jemand, der Musik benötigt, um seine Bekanntheit zu verlängern. Vielmehr vermittelt er die Freude daran, eigene Songs zu schreiben, sie live zu spielen und Abend für Abend neue Begegnungen mit dem Publikum zu schaffen.
Natürlich wird sein Name für viele Menschen immer mit Akte X oder Californication verbunden bleiben. Das ist auch völlig in Ordnung. Doch seine Musik verdient es, unabhängig davon gehört zu werden. Sie ist nicht auf große Überraschungen oder überbordende Virtuosität angewiesen. Ihre Stärken liegen in den Melodien, den persönlichen Geschichten und einer angenehmen Unaufgeregtheit, die auf der Bühne erstaunlich viel Raum lässt.
Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Abends: Manchmal muss ein Künstler nicht lauter, größer oder spektakulärer werden, um zu überzeugen. Manchmal reicht es, wenn er das tut, was er liebt – und das Publikum für eine Weile daran teilhaben lässt.
David Duchovny ist in Köln nicht einfach nur der Schauspieler mit der Gitarre. Er ist ein Musiker, der seinen eigenen Weg gefunden hat. Und dieser Weg ist hörenswert.
Alle Fotos @JB_derlaufendefotograf für Mikro und Manuskript
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