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Skindred Köln E-Werk Konzertbericht: Eine Naturgewalt und die Tragödie eines schmerzenden Rückens

Skindred Köln E-Werk Konzertbericht

Der 16. November 2025 wird vielen Kölner Fans als ein Triumph der Live-Musik in Erinnerung bleiben. Im ausverkauften E-Werk zementierten Skindred ihren Ruf als eine der unterhaltsamsten und energiegeladensten Bands der Welt. Das Konzert war eine perfekt orchestrierte Explosion aus Metal, Reggae und purem Wahnsinn. Für einige Fans, die sich bereits auf die 30 zubewegen, war es aber auch eine knallharte Lektion in Sachen körperlicher Endlichkeit.

Vorband: ALIEN ANT FARM als solider Start

Als Opener wählten die Waliser die US-amerikanische Nu-Metal-Band Alien Ant Farm. Die Band um Dryden Mitchell war ein idealer Act, um die Stimmung anzuheizen. Mit ihrem ikonischen Michael Jackson Cover „Smooth Criminal“ zündeten sie die nötige Lunte und lieferten einen technisch versierten Sound, der das Publikum perfekt auf Betriebstemperatur brachte.

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Skindred: Extravaganz und non-stop Crowdsurfer

Endlich, nach einer 30-minütigen Umbaupause, die für mich persönlich eine willkommene kleine Sitzpause in einem menschenleeren, bequemen Bereich bedeutete – weil mein verdammter, schmerzender Rücken dieses ständige Stehen einfach nicht mehr mitmacht – betraten die großartigen Skindred die Bühne.

Sänger Benji Webbe ist ein Phänomen: so unterhaltsam, so energiegeladen, und seine Bühnenoutfits waren so extravagant wie eh und je. Die Band eröffnete ihr Set wie gewohnt mit „Set Fazer“, was sofort zu lautstarkem Mitsingen führte. „Stand For Something“ folgte direkt danach und ließ die Menge merklich wilder werden.

Spätestens bei „Ninja“, dem dritten Song des Abends, brach das Publikum völlig aus. Die Crowdsurfer begannen, in einem ununterbrochenen Strom über den Fotograben hinweggetragen zu werden. Die Energie, die sich in diesem Moment zwischen der Band und der Menge aufbaute, ist schlicht unnachahmlich und kann man wirklich nur auf einem Skindred-Konzert erleben.

Neckereien, Echos und „Kill The Power“

Auch für das typische Entertainment nahm sich Benji Zeit. Mitten im Set bekamen wir über die PA ein kleines Medley der typischen Rock-Club-Klassiker zu hören. Songs wie „Psychosocial“ und „Master of Puppets“ wurden jedes Mal direkt vor dem Einsatz von Benji unterbrochen, begleitet von seinem ironischen „Ich weiß, dass ihr den alle kennt“. Das Ganze gipfelte in seinem typischen „Fuck off, you’re at a Skindred show“ – absolut in seinem unverkennbaren Stil.

Leider wurden einige der weiteren Neckereien und Ansagen durch leichte Soundprobleme an meiner Position – Verzögerungen und Echos zwischen Bühne und Anlage – verschluckt. Aber die Musik, die aus den Boxen kam, war entscheidend: Mit „Kill The Power“ und „Nobody“ legten Skindred wieder voll los. Der Moshpit blieb so groß und unerbittlich wie zu Beginn des Sets.

Der berühmte „Newport Helicopter“

Zum Abschluss gab es, wie erwartet, die zwei ultimativen Höhepunkte. Zuerst „Gimme That Boom“, ein persönlicher Live-Favorit, und dann, natürlich, „Warning“. Das ist der Moment, in dem die gesamte Halle ihre T-Shirts über dem Kopf zu dem berühmten „Newport Helicopter“ kreisen lässt.

Eines der schönsten Dinge an diesem Spektakel ist das Strahlen in den Gesichtern der Leute, die das zum ersten Mal erleben. Es wird einfach nie langweilig. Skindred werden nie langweilig. Das Einzige, was alt wird, ist mein verdammter, schmerzender Rücken. Es tut weh, 50 zu sein.

Fazit: Skindred haben im E-Werk einen weiteren denkwürdigen Abend geliefert. Die Kombination aus genialem Songwriting, Bühnenpräsenz und diesem einzigartigen, positiven Chaos macht jede Show zu einem Muss. Eine klare Kaufempfehlung – solange Ihre Wirbelsäule noch mitmacht.

Alle Fotos Copyright bei Andreas Müller

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