Es gibt Konzertabende, die sich schon nach den ersten Minuten in etwas verwandeln, das einen länger begleitet, als man vorher ahnt. Genau so ein Abend war das Royel-Otis-Konzert im Palladium Köln. Ein Abend, der sich leicht anfühlte, frei, beinahe sommerlich – obwohl draußen längst Winter war. Doch bevor die australischen Überflieger die Bühne betraten, eröffnete eine Kölner Band den Abend, die man ab sofort definitiv im Auge behalten sollte: Easy Easy.
Easy Easy: Eine Vorband, die mehr ist als nur ein Warm-up
Ich gebe es zu: Vorbands haben es bei mir nie leicht. Zu oft funktionieren sie nur als akustisches Vorspiel, als Pflichtprogramm, bevor das eigentliche Erlebnis beginnt. Doch Easy Easy haben mich schon beim ersten Song eines Besseren belehrt. Die vierköpfige Band aus Köln trat mit einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit auf die Bühne, die sofort Sympathiepunkte sammelte. Ihr Sound lässt sich irgendwo zwischen Indie-Rock, Bedroom-Pop und einer Prise Surf-Vibe verorten – verspielt, rhythmisch, überraschend warm.
Besonders ihre Art, das Publikum in kleinen Schritten mitzunehmen, hat mich beeindruckt. Keine lauten Parolen, kein „Seid ihr bereit?!“-Geschrei. Stattdessen ein organisches Aufbauen, Song für Song, Groove für Groove. Die Gitarrenlinien waren klar, die Vocals emotional, ohne in Pathos zu kippen, und der Bass hat die Halle in ein sanftes Wippen versetzt. Man merkte, wie sehr die Band es genoss, ein Heimspiel zu spielen – und wie sich diese Freude unauffällig, aber stetig in den Raum schlich.
Als sie ihren letzten Track spielten, war die Halle nicht nur voll, sondern aufmerksam – ein Zustand, den Vorbands selten erreichen. Easy Easy haben an diesem Abend nicht nur aufgewärmt. Sie haben vorgelegt. Und das ziemlich beeindruckend.
Royel Otis betreten Köln: ein unprätentiöser Auftakt, der sofort zündet
Wenig später, nach einer angenehm kurzen Umbaupause, betreten Royel Otis die Bühne – so lässig wie man es von ihnen erwartet, und gleichzeitig so bodenständig, dass man kurz vergisst, dass diese beiden gerade weltweit ausverkaufte Shows spielen. Royel in Jeans, Otis in einem Shirt, das aussieht, als hätte er es fünf Minuten vorher aus dem Koffer gezogen. Genau diese Anti-Inszenierung macht sie so charmant.
Kaum erklingen die ersten Akkorde, ist klar: Diese Band braucht keine Showeffekte, um zu funktionieren. Ihr Sound ist live genauso klar und tight wie auf Platte – vielleicht sogar noch intensiver, weil jedes Detail greifbarer wird. Das Palladium wirkt plötzlich kleiner, intimer, fast wie ein überfülltes Jugendzentrum, in dem alle nur eines wollen: Tanzen.
„i hate this tune“ eröffnet das Set, und sofort breitet sich die typischen Royel-Otis-Leichtigkeit aus. Eine Wärme, die nicht künstlich erzeugt ist, sondern einfach passiert. Ich merke, wie meine Schultern sich entspannen. Wie ich atme. Wie ich lächle, ohne es zu merken.
Ein Konzert, das ohne Druck funktioniert – und gerade deshalb so stark ist
Was Royel Otis auf der Bühne machen, lässt sich am besten mit „unaufgeregt perfekt“ beschreiben. Kein übertriebener Pathos, kein Rockstar-Gehabe, keine überdramatischen Pausen. Stattdessen Songs, die sich wie Wellen anfühlen: sanft anrollend, dann plötzlich intensiv, ohne jemals unangenehm laut zu werden.
Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel mit den Visuals im Hintergrund. Zu jedem Song erschien eine kleine, charmante Beschreibung – wie ein Flüstern, das erklärt, worum es gleich gehen wird. Mal witzig, mal melancholisch, mal seltsam banal. Aber immer passend.
Als „Heading for the Door“ in pinkes Licht getaucht wird, entsteht einer dieser Momente, die man unwillkürlich abspeichert – ohne zu wissen, warum. Vielleicht wegen der Farbe. Vielleicht wegen der Crowd. Vielleicht einfach, weil sich alles richtig anfühlt.
Ein Höhepunkt nach dem anderen – ohne dass es nach Effekthascherei wirkt
Mit Songs wie „Kool Aid“, „Foam“ und mehreren Tracks aus dem Album Hickey zieht die Band das Tempo an, ohne das Publikum zu überfordern. Alles bleibt kontrolliert, präzise, fließend.
Ein absolutes Highlight war – wie so oft – „Linger“ von The Cranberries. Dass ausgerechnet dieses Cover zu einem der emotionalsten Momente des Abends wurde, sagt viel über die Band aus. Auf der Leinwand: „help us sing this song“. Mehr braucht es nicht. Die Halle singt. Wirklich singt. Nicht schreit. Nicht grölt. Sondern trägt dieses Lied, als hätte es gerade eine eigene Bedeutung.
Später wandelt sich die Stimmung wieder, als „I Wanna Dance With You“ zur heimlichen Hymne des Abends wird. Die Bildschirme geben Anweisungen („dance with the person next to you“), und normalerweise würde ich so etwas ignorieren – aber an diesem Abend? Irgendwie nicht. Irgendwie macht es Sinn. Irgendwie fühlt es sich richtig an.
Das Finale: ein Abschluss ohne Kitsch, aber voller Gefühl
Nach „say something“ verlassen Royel Otis kurz die Bühne. Es ist klar, dass sie wiederkommen. Kein künstlicher Spannungsbogen, keine aufgeblasene Dramaturgie – nur die ehrliche Reaktion eines Publikums, das noch ein paar Minuten mehr möchte.
Die Zugabe: „Oysters In My Pocket“. Ein sauberer, klarer, wunderschön gespielter Schlusspunkt. Kein großes Feuerwerk. Keinen Kitsch. Nur ein Song, der alles bündelt, was dieses Konzert ausgemacht hat: Leichtigkeit, Wärme, Groove und eine unerwartete Tiefe.
Als die letzten Töne verklingen, stehe ich da – beschwingt, zufrieden, durchgeschüttelt auf die beste Art. Und vor allem: dankbar. Für einen Abend, der sich echt angefühlt hat. Unkompliziert. Lebendig.
Royel Otis haben das Kölner Palladium nicht in eine Party verwandelt – sie haben es in einen Ort verwandelt, an dem sich Fremde für einen Abend wie Verbündete gefühlt haben. Easy Easy haben den perfekten Grundstein gelegt. Und ich gehe nach Hause, mit genau dem Gefühl, das gute Konzerte hinterlassen sollten: ein bisschen leichter als vorher.
Fotos Jan Bonk







































