Es gibt Momente in der modernen Musiklandschaft, die sich wie ein sanfter Anachronismus anfühlen. Dass Jazzmusiker heutzutage große Arenen füllen, ist eigentlich völlig untypisch für das Genre. Doch die Isländerin Laufey Lín Jónsdóttir bricht alle Regeln. Heute Abend, am 19. Februar 2026, verwandelte sie die Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle in ein riesiges Wohnzimmer. Für mich war dieser Abend besonders emotional. Ich hatte bereits 2024 die Ehre, Laufey im Carlswerk Victoria in Köln zu fotografieren. Das Laufey Düsseldorf Konzertreview zeigt nun eindrucksvoll, wie ihr „Vintage-Pop“ einen globalen Nerv trifft. Aus dem intimen Geheimtipp von damals ist ein echtes Arena-Spektakel geworden, das dennoch seine Seele bewahrt hat.
Alice Phoebe Lou: Nostalgie im Vorprogramm
Bevor Laufey die Bühne betrat, zog Alice Phoebe Lou das Publikum in ihren Bann. Sie eröffnete den Abend mit einer wunderschönen Interpretation von Neil Youngs „Harvest Moon“. Es war der perfekte Einstieg für die tausenden Fans. Mit Songs wie „Darling“ bewies sie eine enorme Bühnenpräsenz ohne jede Effekthascherei. Besonders bei „The Surface“ wurde deutlich, wie gut ihr Indie-Folk mit Laufey harmoniert. Alice Phoebe Lou exzellierte darin, die große Halle in einen gemütlichen Rückzugsort zu verwandeln. Ihre kristallklare Stimme bildete den idealen Teppich für das, was noch folgen sollte.
Akt I: Ein Märchen aus einer anderen Zeit
Pünktlich zum Hauptact senkten sich die massiven roten Samtvorhänge. Das Bühnenbild wirkte wie eine Filmkulisse aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine extravagante Treppe dominierte den Hintergrund der Szenerie. Laufey erschien wie eine moderne Prinzessin und eröffnete das Konzert mit „Clockwork“. Begleitet von vier Tänzern machte sie sofort klar: Hier steht eine echte Multi-Instrumentalistin. Innerhalb der ersten Minuten wechselte sie mühelos zwischen akustischer und elektrischer Gitarre. Ihr tiefer Gesang füllte die Halle aus, während das Publikum jedes Wort bei „Dreamer“ mitsang.
Zwischenmenschliche Nähe und die „Alex-Hasen“
Was diesen Abend in Düsseldorf so besonders machte, war die unglaubliche Nähe zum Publikum. Laufey erzählte zwischen den Liedern immer wieder persönliche Geschichten über ihre Visionen und das Songwriting. Nach dem zweiten Akt folgte ein Moment, der die ganze Halle zum Lachen brachte. Laufey kürte das bestverkleidete Publikum des Abends mit einer Krone. Die Gewinner waren zwei Männer, die beide Alex hießen. Sie trugen Hasenkostüme, eine liebevolle Anspielung auf ihren Charakter „Mei Mei the Bunny“. Diese Interaktionen zeigten, wie nahbar die Künstlerin trotz ihres riesigen Erfolgs geblieben ist.
Akt II: Der intime Jazz Club
Ein Höhepunkt war der Wechsel zum zweiten Akt. Laufey verkleinerte ihr Ensemble und lud uns in ihren persönlichen „Jazz Club“ ein. Sie wollte die Intimität ihrer Ausbildung am Berklee College auch in die Arena transportieren. Bei der Jazz-Version von „Valentine“ demonstrierte sie eine Meisterschaft im Scat-Gesang. In diesem Moment fühlte sich die Mitsubishi Electric Halle tatsächlich so klein wie ein Club in New York an. Die Neuanordnungen von „Fragile“ klangen, als stammten sie direkt aus dem Great American Songbook. Dieses Laufey Düsseldorf Konzertreview muss diese technische Brillanz einfach hervorheben.
Akt III & IV: Emotionen und Virtuosität
Im dritten Akt wurde es bei „Snow White“ zutiefst emotional. Sie sprach offen über ihre Erfahrungen, als Halbachinesin in Island aufzuwachsen. Diese Verletzlichkeit war in jedem Ton ihrer Darbietung spürbar. Die instrumentale Vielseitigkeit gipfelte im „Cuckoo Ballet Interlude“, bei dem sie zum Cello griff. Es ist eine Seltenheit, eine junge Künstlerin mit einer solchen Coolness am klassischen Instrument zu sehen. Als sie später bei „Promise“ nur noch Klavier spielte, übernahm das Publikum den Gesang lautstark. Dieser Moment war einer der bewegendsten Augenblicke der gesamten Show.
Das Finale: Ein Brief an das 13-jährige Ich
Der vierte Akt endete dramatisch mit einer stimmlich beeindruckenden Version von „Sabotage“. Als absolute Überraschung präsentierte Laufey in der Zugabe „How I Get“. Dieser bisher unveröffentlichte Song feierte heute sein Live-Debüt vor den Fans. Den Abschluss bildete der „Letter to My 13 Year Old Self“. Laufey hat heute bewiesen, dass sie eine Brückenbauerin zwischen den Generationen ist. Sie macht den Jazz für eine junge Zielgruppe wieder absolut cool. Wer heute in Düsseldorf dabei war, sah eine Künstlerin auf dem Gipfel ihrer Kunst.
Für das Berliner Konzert am 24. Dezember gibt es noch Tickets
Foto aus der „Bewitched Tour“ in Köln am 05. März 2024 Copyright Jan Bonk

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