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Disarstar Konzert Palladium Köln: Klassenkampf mit Straßenrap und Fanliebe

Disarstar Konzert Palladium Köln

Es gibt Abende, an denen Musik mehr ist als nur Unterhaltung. Gestern erlebte Köln genau so einen Moment. Der Hamburger Rapper Disarstar begeisterte im Rahmen seines Tourabschlusses das volle Palladium. Mit antikapitalistischem Textgut und griffigem Hip-Hop verwandelte er die Halle in ein Zentrum des Widerstands. Für mich ist es genau diese Verbindung, die den Reiz ausmacht. Ich liebe es, wenn ein Künstler die Aufmerksamkeit nutzt, um auf aktuelle Probleme hinzuweisen. Gerrit Falius, wie der 32-Jährige bürgerlich heißt, verzichtete komplett auf einen Vor-Act. Stattdessen begann das Disarstar Konzert Palladium Köln mit einem systemkritischen Intro. Es war ein direkter Schlag in die Magengrube, der die Stimmung für den restlichen Abend setzte.

Wenn der ganze Saal im Chor ruft

Dass Künstler und Fans hier ganz auf einer Wellenlänge waren, zeigte sich sehr schnell. Zwischen den Songs brachen immer wieder „Siamo Tutti Antifascisti“-Rufe aus. Es dauerte nie lange, bis der gesamte Saal einstimmte. Diese Einigkeit zwischen Publikum und Bühne ist selten und umso kraftvoller. Disarstar versteht es, diese Energie zu lenken. Besonders deutlich wurde das beim polizeikritischen Song „Robocop“, begleitet von lautstarken „ACAB“-Sprechchören. Es war kein bloßes Mitgrölen, sondern fühlte sich nach echter Überzeugung an. Für jemanden wie mich, der politische Statements in der Kunst schätzt, war das ein Gänsehaut-Moment. Die Atmosphäre im Palladium war aufgeladen, aber stets von gegenseitigem Respekt geprägt.

Politische Brennpunkte auf der Bühne

Disarstar scheut sich nicht, die unbequemen Themen unserer Zeit anzusprechen. Während der Show wurde eine iranische Flagge geschwenkt. Es war ein solidarisches Zeichen für die mutigen Proteste im Iran. Auch der Gaza-Krieg wurde thematisiert. In einer Pause zwischen den Liedern ließen die Fans wiederholt „Viva Palestina“-Rufe verlauten. Disarstar schafft den Raum für diese Solidarität, ohne dass die musikalische Qualität leidet. Das zeigt seine enorme Reife als Künstler. Er nutzt seine Plattform für Menschen, die oft keine Stimme haben. Das Disarstar Konzert Palladium Köln war somit nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein zutiefst menschlicher Abend. Diese Haltung ist es, die ihn so massiv von der Masse abhebt.

Schweiß von der Decke: Ein Finale nach Maß

Abseits der starken politischen Botschaften war es schlicht eine herausragende Hip-Hop-Show. Musikalisch lieferte Disarstar mit einer Präzision ab, die ihresgleichen sucht. Seine Texte sind scharf, seine Beats gehen direkt nach vorne. Er wünschte sich während des Konzerts, dass am Ende der Schweiß von der Decke tropfen solle. Und genau das passierte. Das Palladium kochte förmlich über. Den krönenden Abschluss bildete der Song „Siamo Tutti“. Es ist vielleicht das Lied, das am meisten gefeiert wurde. „Ist mir egal, was Eure bürgerliche Mitte hält von uns“, dröhnte es durch die Halle. Die Fahnen waren rot, die Stimmung auf dem Siedepunkt.

Fazit eines unvergesslichen Abends

Dieses Konzert war der perfekte Abschluss einer intensiven Tournee. Disarstar hat bewiesen, dass Straßenrap intellektuell und politisch wertvoll sein kann. Er verbindet die Wut der Straße mit einer klaren Analyse gesellschaftlicher Missstände. Für mich war es ein Abend, der noch lange nachwirken wird. Es tut gut zu sehen, dass Musik immer noch die Kraft hat, Menschen für eine Sache zu einen. Wer Disarstar gestern live erlebt hat, weiß, dass hier jemand steht, der es ernst meint. Wir brauchen mehr Künstler mit diesem Mut zum Statement.

Fotos Jan Bonk

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