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Laufey A Matter of Time Review: Zwischen Märchenschloss und Realitätscheck

Mit dem Laufey A Matter of Time Review werfen wir heute einen Blick auf eines der am heißesten erwarteten Alben des Jahres. Nach ihrem Grammy-Erfolg mit „Bewitched“ war die Erwartungshaltung gigantisch. Laufey ist es gelungen, traditionellen Vocal-Jazz und Bossa Nova wieder auf die Bildfläche zu bringen. Die neue LP zeigt jedoch eine deutliche Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Identität. Besonders die Vinyl-Version in „Baby Blau“ ist optisch ein absolutes Highlight für jeden Sammler. Als kleine Überraschung liegt dieser Edition sogar eine zusätzliche Single bei, was den Sammlerwert nochmals steigert. Musikalisch wagt sich die isländische Multi-Instrumentalistin auf dieser Platte weit aus ihrer Komfortzone heraus. In meinem Laufey A Matter of Time Review wird deutlich: Die Produktion ist deutlich opulenter und mutiger als beim Vorgänger.

Ein Upgrade in Sachen Produktion und Tiefgang

Die Zusammenarbeit mit Produzent Spencer Stewart wurde dieses Mal durch neue Einflüsse ergänzt. Unter anderem hat Aaron Dessner von The National bei einigen Tracks seine Finger im Spiel gehabt. Das Ergebnis ist ein Sound, der weniger „stiff“ wirkt als auf den ersten EPs. Die Instrumentierung ist üppig und erinnert oft an einen Breitwand-Disney-Soundtrack. Besonders spannend ist der Kontrast zwischen der idyllischen Musik und den teils bissigen Texten. Laufey flucht hier und da ganz beiläufig oder rechnet in Songs wie „Mr. Eclectic“ gnadenlos mit prätentiösen Typen ab. Es ist diese neue Rauheit, die das Album so interessant macht. Sie singt nicht mehr nur über die rosarote Brille, sondern seziert die Downsides der Liebe.

Highlights und kleine Stolpersteine

Ein absolutes Herzstück des Albums ist für mich „Snow White“. Hier setzt sich Laufey intensiv mit Body Dysmorphia und gesellschaftlichen Schönheitsidealen auseinander. Es ist ein verletzlicher Moment, der unter die Haut geht. Auch der Track „Tough Luck“ überzeugt als moderne „Dump Him“-Hymne mit jazzigem Twist. Nicht jeder Experiment-Versuch zündet jedoch bei mir zu hundert Prozent. Der Song „Forget Me Not“, der zusammen mit Aaron Dessner entstand, wirkt fast wie ein Taylor-Swift-Überbleibsel. Das passt nicht ganz so organisch in das restliche, eher orchestrale Gefüge des Albums. Dennoch ist die Spielfreude in jedem Moment spürbar. Besonders das Orchester-Intermezzo in der Mitte des Albums verleiht dem Ganzen eine fast schon theatralische Tiefe.

Das Finale: Selbstsabotage und Dissonanz

Das Album endet mit dem Track „Sabotage“, der eine interessante Brücke zu klassischen Werken schlägt. Mit schrillen Cello-Noten, die fast wie Störsignale wirken, thematisiert sie das bewusste Zerstören von Beziehungen. Es ist kein klassisches Happy End, aber ein ehrliches Statement einer gereiften Künstlerin. Die „Baby Blau“-Vinyl unterstreicht diesen Kontrast zwischen Schönheit und Schmerz visuell perfekt. Die zusätzliche Single als Beilage ist das Sahnehäubchen für alle, die Musik noch physisch genießen wollen. Insgesamt ist es ein mutiges Album, das zeigt: Laufey ist gekommen, um zu bleiben und sich stetig neu zu erfinden.

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