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Maximo Park E-Werk Köln: Eine Zeitreise mit Scherenkick und Herzblut

Das Maximo Park E-Werk Köln Konzert am heutigen Abend war weit mehr als nur eine nostalgische Rückschau. Vor genau zwei Jahrzehnten veränderte ihr Debütalbum „A Certain Trigger“ die Indie-Welt nachhaltig. Mit messerscharfen Riffs und den fast schon akademischen, aber hochemotionalen Texten von Paul Smith setzten sie damals einen Standard, der bis heute nachwirkt. Dass sie nun im Rahmen ihrer 20th Anniversary Tour nach Köln zurückkehrten, fühlte sich an wie ein Treffen mit alten Freunden, die kein Stück gealtert sind. Paul Smith, gewohnt stilsicher im Anzug und mit seinem Markenzeichen-Hut, bewies beim Maximo Park E-Werk Köln Auftritt, dass er den legendären Scherenkick vom Drum-Riser immer noch perfekt beherrscht. Die Band präsentierte die Klassiker ihres Debüts nicht als verstaubte Museumsstücke, sondern mit einer Frische und Intensität, als wären die Songs erst gestern geschrieben worden. Es war eine Feier der „jaggy riffs“ und des „angsty yelps“, die eine ganze Generation geprägt haben.

Ein Setlist-Mix aus Nostalgie und zeitloser Energie

Die Dramaturgie des Abends war meisterhaft gewählt. Die Band eröffnete – genau wie das Album vor 20 Jahren – mit dem treibenden „Signal and Sign“. Sofort war die Energie im E-Werk auf dem Siedepunkt. Smith erklärte früh, dass sie das Album zwar fast vollständig spielen würden, aber die Reihenfolge bewusst mischen, um Platz für andere Karriere-Highlights zu schaffen. So folgten auf die frühen Kracher „Graffiti“ und „Postcard of a Painting“ neuere Hymnen wie „Our Velocity“. Besonders emotional wurde es bei „I Want You to Stay“. Smiths Gesang hat über die Jahre massiv an Tiefe gewonnen; die gehaltene Note am Ende des Songs war schlichtweg packend. Auch selten gespielte Perlen wie „A19“, das fast zehn Jahre von der Setlist verschwunden war, feierten eine triumphale Rückkehr und ließen die Herzen der Hardcore-Fans höher schlagen.

Präzision trifft auf spielerische Leichtigkeit

Hinter dem wirbelnden Frontmann agierte die Band gewohnt präzise und unaufgeregt. Duncan Lloyd an der Gitarre schüttelte die Riffs mit einer beneidenswerten Lässigkeit aus dem Ärmel, während Jemma Freese an den Keyboards die nötige Prise Exuberanz beisteuerte. Es ist beeindruckend, wie nahtlos sich spätere Tracks wie „Versions of You“ – eine zärtliche Reflexion über Elternschaft – in das Set einfügten. Maxïmo Park beweisen, dass sie nicht nur von ihrer glanzvollen Vergangenheit leben, sondern sich stetig weiterentwickelt haben. Dennoch blieb der Fokus klar auf der Ära von 2005. Als bei „Apply Some Pressure“ das gesamte E-Werk in ein einziges Hüpf-Meer verwandelt wurde, war klar: Diese Songs besitzen eine zeitlose Relevanz. Sie beißen immer noch, sie machen immer noch Hoffnung und sie verursachen immer noch verdammt gute Laune.

Das große Finale: Ein würdiger Abschluss

Für die Zugabe hoben sich die Herren aus Newcastle noch einmal echte Schwergewichte auf. Mit „Acrobat“ kehrte ein Song zurück, den man viel zu lange vermisst hatte. Es folgte das melancholisch-schöne „Books From Boxes“, bevor „Going Missing“ den Abend mit einem letzten Adrenalinschub beendete. Paul Smith verabschiedete sich mit einem finalen Sprung vom Podest und hinterließ ein klitschnasses, aber überglückliches Kölner Publikum. Wer Maxïmo Park auf dieser Tour verpasst, ist selbst schuld – die Verbindung zwischen Band und Fans ist lebendiger denn je. Es war ein Abend, der bewies, dass man auch nach 20 Jahren im Musikgeschäft seine Würde und seinen Biss behalten kann.

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