– Hallo David Howald, bevor wir über dein Soloalbum sprechen: Kannst du dich für alle, die dich noch nicht kennen, kurz vorstellen? Und erzählen, wie du zur Musik gekommen bist?
Mein lyrischer Output hat irgendwann im Teenager-Alter begonnen. Zur selben Zeit wuchs mein Interesse an Musik zu einer Art Obsession heran. Ich brachte mir selber Piano und Gitarre bei und gründete dann mit ca. zwanzig meine erste ernsthafte Band.
– Und für alle, die dich noch aus Werckmeister-Zeiten kennen: Wo verläuft für dich die Grenze zwischen Werckmeister und deinem Soloalbum?
Als es Werckmeister noch gab, schrieb ich mehr und mehr Musik, speziell für diese Band. Die Songs auf dem Album „Der Narr“ wurden nicht mit der Wucht von Werckmeister im Hinterkopf geschrieben. Sie sind klein, solitär und seltsam und genau diese Qualitäten sollten sie sich auch unbedingt durch den Produktionsweg hindurch, bis hin zu ihrer Veröffentlichung bewahren. Die einzige Möglichkeit das zu tun, war jegliche Interpretation davon und auch die üblichen Studioschritte möglichst zu vermeiden.
– Was hat dich dazu bewogen, ein Soloalbum aufzunehmen? Gab es einen konkreten Auslöser? Oder war es ein langfristiger Prozess?
Die in der vorangegangenen Frage/Antwort angesprochenen Überlegungen waren mitunter Anlass und Prämisse dieses Soloalbums. Mich nervte immer schon, dass im Studio soviel von dem, was die erste Skizze des Songs noch hatte, verloren geht. Es kommt aber auch hinzu, dass sich bei mir – über die Werckmeister-Jahre – sehr viel unveröffentlichtes Material angehäuft hat.
– Wie kommt es, dass manche Songs des Albums Werckmeister-Fans vertraut vorkommen dürften?
Es sind zwei, drei Nummern auf dem Album, die wir live im Werckmeister-Kontext bereits ausprobiert haben. „Mantra“ z. B.
– Kannst du etwas über den Entstehungsprozess des Albums erzählen? Was war zuerst da – die Musik oder die Lyrics?
Oft existieren bei mir im Vorfeld sowas wie lyrische Bilder, einzelne Atome, Fragmente und Fetzen. Durchaus auch in Form einzelner Sätze oder kurzer Textabschnitte. Von gewissen dieser Bilder weiß ich, dass sie Türen sind, hinter welchen Songs leben. Die Worte, die es dann aber in den finalen Songtext schaffen, entstehen fast immer direkt und symbiotisch mit der Melodie/Musik. Der Song verlangt nach seinen eigenen Worten, die Melodie ist das Übergeordnete. Der Song schafft es so immer, die Texte und die Ideen, die man im Vorfeld hatte, hinter sich zu lassen und zu übertreten.
– Wie lief der Aufnahmeprozess ab? Ich habe gesehen, dass du in verschiedenen Studios und mit unterschiedlichen Produzenten gearbeitet hast – wie kam es dazu und was war die Idee dahinter?
Nein, da muss es sich um ein anderes Album handeln, von dem du gehört hast. Bei diesem habe ich alles selbst aufgenommen und produziert. Es waren an sich keine Produzent*innen involviert. Einzig als es Richtung Endmix und Mastering ging, hab mir Ralv Milberg (der z. B. für seine Arbeit mit Die Nerven bekannt ist) geholfen. Das Album würde definitiv nicht klingen wie es klingt, hätte er seine Künste nicht noch darauf angewandt.
– Da ich selbst einige Jahre in Wien gelebt habe, spüre ich den Geist der Stadt in manchen deiner Songs – wie sehr hat Wien deine Musik beeinflusst?
Danke, das freut mich sehr zu hören. Die Stadt Wien ist für dieses Album, wie auch generell für meine künstlerische Entwicklung unabdingbar wichtig gewesen die letzten Jahre, man könnte sogar sagen die letzte Dekade. Ich weiß nicht, ob ich in der Form als Songschreiber noch existieren würde ohne diese schrecklich-schöne Stadt (lacht)
– Wie würdest du deine Musik und deinen Stil jemandem beschreiben, der noch nie einen deiner Songs gehört hat?
Ich würde es als sehr ruhige Musik beschreiben, in welchen Jemand versucht zu einer ursprünglichen Art des Sprechens zurückzufinden. Eine Art des Sprechens die dem Singen noch nahe war.
– Dein Album ist draußen und du hast bereits einige Konzerte in Österreich und Süddeutschland gespielt – gibt es Pläne für eine größere Tour? Und wo kann man dich sonst noch live erleben?
Also gerade habe ich eine 10 Stationen-Tour durch den deutschsprachigen Raum hinter mir. Vermutlich werde ich mich 2027 wieder zu einer Tour mit neuem Material aufraffen. Das steht aber noch in den Sternen.
Highlights aus dem Gespräch:
- Solo-Debüt: Album „Der Narr“ komplett eigenproduziert
- Sound: Mischung aus Piano, Gitarre und reduzierten Vocals
- Zusammenarbeit: Mix und Mastering durch Ralv Milberg (Die Nerven)
- Einfluss: Wien als zentrale kreative Basis
- Ausblick: Neue Tournee voraussichtlich für 2027 geplant

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