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The Last Dinner Party im Kölner Palladium: Ein barockes Hochamt der Gefühle

The Last Dinner Party live in Köln

The Last Dinner Party live in Köln: Konzertbericht aus dem Palladium

Bevor ich in die Ekstase des gestrigen Abends eintauche, muss ich leider mit einer Entschuldigung beginnen. Mein herzliches Beileid geht an die Vorband Sunday (1994). Ich kann weder über ihren Auftritt berichten, noch habe ich Fotos von ihnen im Gepäck. Der Grund? Die Deutsche Bahn (oder National Express – wer auch immer am Ende die Weichen stellt). Auf einer eigentlich entspannten 60-minütigen Fahrt wurden stolze 50 Minuten Verspätung „eingebaut“. Das ist besonders bitter, da mir sowohl die anderen Fotografen im Graben als auch das Publikum später versicherten, dass der Dream-Pop der englisch-amerikanischen Kombo absolut „geilomatisch“ und stimmig war. Sorry, Sunday (1994), ich hätte euch wirklich gerne live erlebt!

Positive Energie ab der ersten Sekunde

Punkt 21:15 Uhr war der Ärger über die Schiene jedoch wie weggeblasen. Als The Last Dinner Party die Bühne des ausverkauften Palladiums betraten, entlud sich eine positive Energie im Raum, die fast greifbar war. Nach ihrer Erschöpfungspause Ende 2024 und dem daraus resultierenden Lerneffekt, das Tempo zu drosseln, wirkten die fünf Britinnen frischer und spielfreudiger denn je.

Das Bühnenbild war ein Traum für jeden Ästheten: Weiße, industriell ausgefranste Vorhängen und Torbögen verwandelten die Halle in ein verwunschenes Gothic-Märchenschloss. In ihren obligaten Barock-Kostümen mit Puffärmeln und Spitzenbesatz wirkten Abigail Morris, Lizzie Mayland, Emily Roberts, Georgia Davies und Aurora Nishevci, als wären sie direkt einem flämischen Gemälde entsprungen.

Ein Set zwischen Melancholie und Empowerment

Der Opener „Agnus Dei“ zog uns sofort in diese düstere, einladende Welt hinein. Was folgte, war ein Set, das die perfekte Balance zwischen dem gefeierten Debüt Prelude to Ecstasy und dem aktuellen, noch feiner instrumentierten Zweitwerk From the Pyre hielt. Abigail Morris ist keine klassische Frontfrau, die alles an sich reißt – sie lässt ihrer Band Raum. Da darf die Querflöte von Emily Roberts im Scheinwerferlicht glänzen, und Keyboarderin Aurora Nishevci sorgt mit ihrer Keytar für ordentlich Wirbel. Ein besonderer Gänsehaut-Moment war Aurora’s Song „Gjuha“, den sie auf Albanisch sang und der eine eindringliche, dunkle Schönheit im Palladium verbreitete.

Bei Songs wie „The Feminine Urge“ oder dem komplexen „The Scythe“ wurde deutlich, was diese Band so besonders macht: Sie kanalisieren Wut, Frustration und Selbstermächtigung in barocken Pop, der gleichzeitig hochgradig tanzbar ist. Das Publikum – ein herrlicher „Hexenzirkel“ aus Miedern, Schnürstiefeln und Glitzer – verschmolz mit der Band zu einer Einheit.

Solidarität und Magie

Besonders erwähnenswert: Auch in Köln zeigten sich die Damen solidarisch und nutzten ihre Plattform für den guten Zweck, indem sie mit einer lokalen Initiative gegen Lebensmittelarmut kooperierten. Ein „cooler Move“, der zeigt, dass hinter dem barocken Prunk viel Herz und Verstand stecken.

Gegen Ende des regulären Sets folgte dann natürlich der Song, auf den alle gewartet hatten: „Nothing Matters“. Das Palladium kochte, und Menschen in Indie-Shirts lagen sich mit Pop-Fans in den Armen. Als Zugabe gab es unter anderem das neue „This Is The Killer Speaking“, bevor uns die Band endgültig verzaubert in die Kölner Nacht entließ.

Fazit: The Last Dinner Party haben bewiesen, dass sie nicht nur ein Hype sind. Sie sind eine gewachsene, routinierte Live-Macht, die den Barock-Pop im Jahr 2026 im Griff hat. Trotz DB-Chaos war dieser Abend ein absoluter Zauber.

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