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Glen Hansard Köln Review: Eine emotionale Heimkehr im E-Werk

Es gibt Momente, auf die man Jahrzehnte wartet. Wie die meisten entdeckte ich den irischen Ausnahmekünstler Glen Hansard im Jahr 2006 durch den Film „Once“. Er spielte nicht nur die Hauptrolle, sondern lieferte mit dem Soundtrack auch die Seele der Geschichte. Sein Lied „Falling Slowly“ lief bei mir damals in Dauerschleife, und auch heute noch landet die Vinyl regelmäßig auf meinem Plattenspieler. Zwar war Glen auch in dem Kultfilm „The Commitments“ dabei, doch damals nahm ich ihn noch nicht bewusst wahr. Nach genau 20 Jahren war es am 06. Mai im Kölner E-Werk endlich so weit: Ich hatte zum ersten Mal die Möglichkeit, Glen Hansard live zu erleben. Die Vorfreude in der bereits um 19:00 Uhr gut gefüllten Halle war förmlich greifbar. Ein Glen Hansard Konzert ist eben keine gewöhnliche Show, sondern fühlt sich an wie ein großes Wiedersehen mit einem langjährigen Freund.

Meitheal im E-Werk: Die Kraft der Gemeinschaft

Glen Hansard hat die Gabe, jeden Raum – egal wie groß – in ein intimes Wohnzimmer zu verwandeln. Er bringt das irische Konzept des „Meitheal“ auf die Bühne: Ein Wort, das die Güte der Gemeinschaft betont und zeigt, was entsteht, wenn man sich gegenseitig hilft. Begleitet von seiner extrem talentierten Band, feierte er in Köln eine zweistündige Messe der Leidenschaft. Er spielt jeden Song, als wäre es sein letzter. Seine treue, ramponierte Akustikgitarre, die ihn schon von den Straßen Dublins bis zum Oscar-Gewinn begleitete, war natürlich auch diesmal sein ständiger Gefährte. Die Setlist bot einen Querschnitt durch seine gesamte Karriere, von kraftvollen Solo-Stücken bis hin zu den Klassikern seiner Band The Frames.

Ein Setlist-Panorama von Dublin bis Chicago

Das Konzert begann energiegeladen mit „Revelate“ und „Don’t Settle“. Glen erzählte dazwischen Geschichten, lachte und schaffte eine Atmosphäre voller Kinship. Besonders bewegend waren die Momente, in denen er seinen musikalischen Weggefährten wie dem verstorbenen Jason Molina gedachte. Es sind diese ehrlichen, rohen Augenblicke, die ein Glen Hansard Konzert so einzigartig machen. Die Zeit verflog wie im Flug. Obwohl das Set über zwei Stunden dauerte, fühlte es sich an wie kaum fünf Minuten. Die Intensität seiner Performance ist so hoch, dass man jegliches Zeitgefühl verliert.

Der magische Moment: Falling Slowly live

Mein persönlicher Höhepunkt war – wie für viele im Saal – die Live-Version von „Falling Slowly“. Es ist das Lied, auf das ich zwanzig Jahre gewartet habe, um es endlich live zu hören. Als die ersten Töne erklangen, herrschte eine andächtige Stille im E-Werk, gefolgt von einem kollektiven Gänsehaut-Moment. Glen sang mit einer solchen Hingabe, dass man die Vibrationen der Emotionen im ganzen Körper spüren konnte. Spätestens bei der Zugabe „Passing Through“ war klar: Dieser Abend war mehr als nur Musik. Es war eine permanente Erinnerung an die heilende Kraft von Songs. Glen Hansard bleibt sich selbst treu – ein bodenständiger irischer Cousin, der uns die neuesten Geschichten seiner Reise erzählt.

Auf Einen Blick

  • Künstler: Glen Hansard
  • Datum: 06. Mai 2026
  • Ort: E-Werk, Köln
  • Dauer: Über 120 Minuten (gefühlte 5 Minuten)
  • Highlights: Falling Slowly, Revelate, Passing Through
  • Besonderheit: Intime Atmosphäre trotz großer Halle, tiefes Storytelling
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