Mit „Everything Under The Sun“ zeigen Nickelback ihre ganze musikalische Bandbreite. Harte Gitarrenriffs, große Melodien und überraschende Einflüsse machen das neue Album für mich zu einer der stärksten Veröffentlichungen ihrer Karriere. Dazu kommt eine Vinyl-Ausgabe, die nicht nur musikalisch, sondern auch optisch Freude bereitet.
Es gibt Platten, die hört man einmal und stellt sie anschließend ins Regal. Und dann gibt es Alben, die einen immer wieder zum Plattenspieler ziehen. „Everything Under The Sun“ gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Schon beim ersten kompletten Durchlauf war ich überrascht, wie stark mich das neue Werk von Nickelback abholt. Mit jedem weiteren Hören entdecke ich neue Facetten, während die großen Momente ihre Wirkung behalten.
Bevor die Nadel überhaupt die erste Rille erreicht, macht allerdings bereits die Aufmachung der Black-Vinyl-Ausgabe Freude. Hier wurde ein Album mit Liebe zum Detail gestaltet. Die Lyrics sind vollständig enthalten und werden von Fotografien begleitet, die Himmel, Erde, Ozeane und das Weltall zeigen. Das passt zum Titel und zur visuellen Gestaltung des Covers und gibt dem Album einen Rahmen, der über die reine Musik hinausgeht.
Auch der Einschub ist perfekt auf das Cover abgestimmt. Zusammen mit der Gestaltung entsteht eine stimmige Einheit, die sich nicht nur ansehen lässt, sondern auch bei der Haptik positiv überrascht. Man nimmt die Platte gerne in die Hand, blättert durch das Material und beschäftigt sich mit dem Artwork, bevor man sich wieder der Musik widmet.
Abgerundet wird die Ausgabe durch das klassische schwarze Vinyl. Keine unnötigen Spielereien, sondern eine zeitlose Variante, die in jede Plattensammlung passt. Für mich ist das genau die Art von Veröffentlichung, bei der man merkt, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch die Präsentation zählt.

„Rattle The Cage“: Ein Opener, der alles niederwalzt
Musikalisch geht es anschließend ohne vorsichtige Annäherung zur Sache. „Rattle The Cage“ eröffnet das Album mit Riffs, die stellenweise beinahe metallisch klingen und ordentlich Druck entwickeln. Die Gitarren gehen nach vorne, der Song besitzt eine enorme Wucht und macht sofort deutlich, dass Nickelback auf diesem Album auch ihre härtere Seite ausspielen.
Gerade dieser Einstieg hat mich begeistert. Die Riffs sind kräftig, die Energie stimmt, und der Song besitzt genau jene Durchschlagskraft, die ich mir von einem solchen Opener wünsche. Nickelback müssen hier nicht lange erklären, was sie vorhaben. Sie lassen die Gitarren sprechen.
Für mich ist „Rattle The Cage“ deshalb einer der entscheidenden Momente des Albums. Der Song setzt den Maßstab für die härtere Seite der Platte und zeigt, wie viel Kraft noch immer im Sound der Kanadier steckt.
Zwischen Hard Rock und Country: Nickelback bleiben vielseitig
Doch „Everything Under The Sun“ funktioniert nicht allein über Härte. Eine seiner größten Stärken liegt für mich in der Abwechslung. Nickelback verbinden ihren vertrauten Rocksound mit unterschiedlichen Einflüssen, ohne dabei ihre eigene Identität aufzugeben.
Besonders „If I Don’t Go“ hat es mir angetan. Die Country- und Nashville-Einflüsse geben dem Song eine eigene Farbe und machen ihn zu einem meiner persönlichen Favoriten. Gerade diese Verbindung finde ich reizvoll: Nickelback verlassen sich nicht ausschließlich auf massive Gitarren und große Rockrefrains, sondern lassen andere musikalische Einflüsse zu, die sich erstaunlich selbstverständlich in das Gesamtbild einfügen.
Auch „Chasin’ Famous“ gehört für mich zu den Höhepunkten. Hier stehen Energie und Druck im Vordergrund. Der Song besitzt eine Kraft, die unmittelbar wirkt, und unterstreicht, wie gut Nickelback ihre rockige Seite mit ihrem Gespür für eingängige Songs verbinden können.
Einen anderen Akzent setzt „Technicolor Steamboat“. Der Titel klingt interessant und hebt sich von den härteren Nummern ab. Gerade solche Momente machen das Album für mich spannend. Die Band scheint nicht jeden Song nach demselben Muster gestalten zu wollen, sondern lässt unterschiedlichen Ideen Raum.
Diese Mischung aus beinahe metallischer Härte, eingängigen Rockmomenten und anderen stilistischen Farben ist einer der Gründe, weshalb ich „Everything Under The Sun“ mit jedem Durchlauf interessanter finde.
Ein Album, das als Ganzes überzeugt
Was mich besonders freut: Ich empfinde „Everything Under The Sun“ nicht als eine Platte, die lediglich von zwei oder drei starken Songs getragen wird. Für mich ergibt sich ein geschlossenes Gesamtbild. Die härteren Stücke setzen deutliche Akzente, während die abwechslungsreicheren Songs dafür sorgen, dass sich das Album nicht in einer einzigen Klangfarbe verliert.
Natürlich bewegen sich Nickelback weiterhin innerhalb ihres eigenen musikalischen Kosmos. Wer eine komplette Neuerfindung erwartet, wird diese hier nicht finden. Aber muss eine Band nach all den Jahren tatsächlich alles über Bord werfen, was sie erfolgreich gemacht hat?
Für mich liegt die Qualität dieses Albums gerade darin, dass Nickelback ihre Stärken kennen und sie überzeugend einsetzen. Die Band klingt gereift, ohne ihre Energie zu verlieren. Sie kann Druck erzeugen, große Melodien liefern und gleichzeitig musikalische Richtungen ausprobieren, die dem Gesamtbild guttun.
Nach meinem ersten Durchlauf war ich bereits positiv überrascht. Dass die Platte auch bei weiteren Hörsessions nicht an Reiz verliert, sondern für mich sogar gewinnt, macht sie umso wertvoller. Ich entdecke keine deutlichen Schwächen, die meinen positiven Gesamteindruck entscheidend beeinträchtigen würden. Stattdessen bleibt das Gefühl, ein Album gehört zu haben, das in seiner Gesamtheit funktioniert.
Die Black Vinyl: Gitarren mit Präsenz und Druck
Da ich „Everything Under The Sun“ auf schwarzem Vinyl höre, gehört auch der persönliche Klangeindruck zu meiner Bewertung. Besonders die Gitarren kommen für mich präsent und druckvoll zur Geltung. Bei einem Album, das so stark von Riffs, Energie und kraftvollen Rockmomenten lebt, trägt dieser Eindruck wesentlich zum Hörerlebnis bei.
Gerade bei „Rattle The Cage“ passt die unmittelbare Wirkung der Gitarren hervorragend zur musikalischen Ausrichtung. Gleichzeitig lässt sich die Platte auch wegen ihrer unterschiedlichen Klangfarben immer wieder neu entdecken.
Dabei geht es mir nicht darum, Vinyl grundsätzlich als überlegenes Format darzustellen. Einen direkten Vergleich mit anderen Pressungen oder der digitalen Version habe ich nicht vorgenommen. Entscheidend ist für mich, dass die Kombination aus Musik, Gestaltung und dem bewussten Auflegen der Schallplatte ein rundes Erlebnis ergibt.
Und genau das liefert diese Ausgabe. Sie macht Freude, bevor der erste Ton erklingt, und bleibt auch nach dem letzten Song als liebevoll gestaltetes Gesamtpaket in Erinnerung.
Mein Fazit: Nickelback gehören für mich zu den stärksten Rockbands ihrer Generation
Ich begleite Nickelback bereits seit den frühen Alben. Deshalb ist mein Blick auf „Everything Under The Sun“ natürlich auch von dieser langen musikalischen Reise geprägt. Umso schöner ist es, wenn eine Band, deren Sound man seit vielen Jahren kennt, einen mit einem neuen Album noch einmal positiv überraschen kann.
Für mich gehört „Everything Under The Sun“ zu den drei stärksten Alben der Bandgeschichte. Die Mischung aus harten, beinahe metallischen Gitarrenriffs, eingängigen Rockmomenten und Country-Einflüssen überzeugt mich ebenso wie der gereifte und vielseitige Gesamtsound. „Rattle The Cage“, „If I Don’t Go“ und „Chasin’ Famous“ sind für mich besonders prägende Songs, während „Technicolor Steamboat“ zeigt, dass Nickelback auch abseits ihrer härteren Seite interessante Akzente setzen können.
Hinzu kommt die Black-Vinyl-Ausgabe, die mit vollständigen Lyrics, stimmigen Fotografien und einer durchdachten Gestaltung auch optisch überzeugt. Für Fans, die Musik nicht nur hören, sondern sich auch mit einer Veröffentlichung beschäftigen möchten, ist das eine schöne Ergänzung.
Und dann bleibt noch die Frage nach dem nächsten Wiedersehen. Es ist für mich viel zu lange her, dass ich Nickelback live erlebt habe. Mein letztes Konzert liegt im September 2016: Damals durfte ich die Band im Rahmen der „No Fixed Address Tour“ in der Kölner LANXESS arena erleben.
Seitdem sind inzwischen viele Jahre vergangen. Umso mehr hoffe ich, dass es im Juni 2027 endlich wieder klappt und ich Nickelback auf ihrer aktuellen „Everything Under The Sun Tour“ live erleben kann.
Die Vorfreude ist jedenfalls da. Denn wenn die neuen Songs auf der Bühne auch nur einen Teil jener Energie entfalten, die mich auf der Platte begeistert, dürfte das ein Wiedersehen werden, das sich lohnt.
„Everything Under The Sun“ ist für mich ein Album, das mit jedem Hören wächst, musikalisch vielseitig überzeugt und Nickelback von einer starken Seite zeigt. Eine meiner persönlichen Top-3-Platten der Band – und ein Album, das nicht nur im Plattenregal, sondern auch im Kopf bleibt.
Nickelback live in Deutschland 2027
Im Juni 2027 kommen Nickelback mit der „Everything Under The Sun Tour“ für vier Arena-Konzerte nach Deutschland. Als Special Guest ist Don Broco angekündigt.
- 09. Juni 2027: Köln – LANXESS arena
- 11. Juni 2027: Hannover – ZAG Arena
- 14. Juni 2027: Stuttgart – Hanns-Martin-Schleyer-Halle
- 19. Juni 2027: München – Olympiahalle



















