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Christian Cohle – Queen Of Ashes: Wenn aus Melancholie neue Lebensfreude entsteht

Christian Cohle Queen Of Ashes Review

Mit „Queen Of Ashes“ schlägt der irische Musiker Christian Cohle ein neues musikalisches Kapitel auf. Zwischen Art-Pop, New Wave, melancholischen Momenten und überraschender Leichtigkeit entsteht ein Album über Selbstfindung, Sehnsucht und die Kunst, aus den Scherben des eigenen Lebens etwas Neues entstehen zu lassen.

Manchmal braucht es nur einen Blick auf ein Albumcover, um neugierig auf die Musik dahinter zu werden. Bei Christian Cohles „Queen Of Ashes“ ist es ein Porträt des Künstlers, das bereits eine gewisse Unruhe ausstrahlt. Ein gelungenes Foto, das für mich durchaus etwas von der Schnelllebigkeit unserer Zeit und der fehlenden Geduld vermittelt, die auch inhaltlich eine Rolle auf diesem Album spielen. Ich habe mich wie so oft für die schwarze Vinyl-Ausgabe entschieden. Das Artwork ist schön anzuschauen, allerdings hätte ich mir insgesamt etwas mehr gewünscht, das mich auch visuell tiefer in die musikalische Welt des Künstlers eintauchen lässt. Hier fehlt mir das gewisse Etwas, das eine besondere Vinyl-Veröffentlichung ausmacht. Ein echtes Plus gibt es allerdings: Die Songtexte sind vollständig enthalten. Wer meine bisherigen Vinyl-Rezensionen kennt, weiß, wie sehr ich solche Beigaben liebe. Für mich gehören Lyrics einfach zu einem Album, denn sie ermöglichen einen noch intensiveren Zugang zu den Geschichten hinter der Musik.

Haptisch bleibt „Queen Of Ashes“ damit eine solide, aber eher durchschnittliche Veröffentlichung. Umso mehr freue ich mich darüber, dass mich die Musik selbst deutlich stärker überrascht hat.

Ein neuer musikalischer Weg

Mit seinem dritten Studioalbum nach „Holy Trouble“ und „WETLANDS“ zeigt Christian Cohle, dass er sich nicht auf eine einmal gefundene musikalische Richtung festlegen lassen möchte. Während die Vorgänger stärker von elektronischen Klangwelten und atmosphärischen Arrangements geprägt waren, öffnet er sich diesmal hörbar einem bandorientierteren Sound. Gitarren, Schlagzeug, Bass, Klavier und orchestrale Elemente bekommen mehr Raum, ohne dass die elektronischen Wurzeln vollständig verschwinden.

Schon der Opener „When The Party Left You“ wirkt wie eine frische Brise positiver Energie. Ein überraschend leichter und zugleich mitreißender Einstieg, der deutlich macht, dass Cohle diesmal eine andere musikalische Richtung einschlägt. Dabei richtet er sich durchaus auch an ein Pop-Publikum, das neben eingängigen Melodien und zugänglichen Arrangements noch etwas sucht, das in der heutigen schnelllebigen Musikwelt manchmal zu kurz kommt: Tiefe, Persönlichkeit und Inhalte, die auch nach dem letzten Ton noch beschäftigen.

Genau diese Verbindung gefällt mir ausgesprochen gut. Cohle macht seine Musik zugänglicher, ohne sie dabei beliebig werden zu lassen.

Zwischen verlorener Liebe und großen musikalischen Vorbildern

Besonders intensiv wird es bei „Oh It Must Be Nice“. Der Song beschäftigt sich mit einer vergangenen Beziehung, während der oder die ehemalige Partnerin inzwischen offenbar eine neue Liebe gefunden hat. Zurück bleibt jemand, der mit der Situation noch nicht ganz abgeschlossen hat. In Cohles Stimme schwingt dabei eine tiefe Sehnsucht mit. Man könnte beinahe vermuten, dass hier autobiografische Erfahrungen verarbeitet werden. Ob das tatsächlich der Fall ist, spielt letztlich kaum eine Rolle. Cohle gelingt es jedenfalls ausgesprochen überzeugend, genau diesen Eindruck zu vermitteln. Ein Song, der nicht laut werden muss, um emotional Wirkung zu entfalten.

Der Titeltrack „Queen Of Ashes“ gehört für mich ebenfalls zu den besonderen Momenten der Platte. Die vom Klavier getragene Komposition harmoniert wunderbar mit Cohles Gesang, der mich stellenweise an eine Mischung aus Bryan Ferry und David Bowie erinnert. Tatsächlich besitzt das Stück eine gewisse Eleganz und Exzentrik, die mich an das Werk des genialen Bowie denken lässt. Auch Assoziationen zu The Associates sind durchaus naheliegend. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn deren Musik regelmäßig auf dem Plattenteller des in Dublin geborenen Musikers landet.

Dabei wirkt das Ganze keineswegs wie eine bloße Kopie vergangener musikalischer Größen. Vielmehr gelingt Cohle eine eigenständige Verbindung aus unterschiedlichen Einflüssen, die dem Song Charakter und eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Ein Album über die eigenen Dämonen

Inhaltlich unterscheidet sich „Queen Of Ashes“ deutlich von seinem Vorgänger „WETLANDS“. Während dort stärker ortsbezogene Welten und äußere Eindrücke im Mittelpunkt standen, richtet sich der Blick diesmal nach innen. Cohle beschäftigt sich mit Sucht und Genesung, Selbstverlust und der schwierigen Auseinandersetzung mit den eigenen Erwartungen. Der Protagonist wird dabei gleichzeitig zu seinem eigenen Gegenspieler.

Erfahrungen aus Indien und London haben diese musikalische und persönliche Entwicklung beeinflusst. Die Königin aus dem Titel wird dabei zu einem Sinnbild für Sehnsucht, Verlangen, Abhängigkeit und jene Träume, von denen man sich manchmal mehr verspricht, als sie tatsächlich erfüllen können.

Besonders interessant finde ich dabei, dass Cohle diese durchaus schweren Themen nicht ausschließlich in düstere Klanglandschaften verpackt. Im Gegenteil: „Queen Of Ashes“ ist für mich ein durch und durch optimistisches Album. Es wirkt wie der Versuch, das anzunehmen, was einem das Leben entgegenwirft, und bei jeder Gelegenheit etwas Negatives in etwas Positives zu verwandeln.

Diese Seite von Christian Cohle gefällt mir. Sie steht ihm ausgesprochen gut.

Musik verdient mehr als einen flüchtigen Moment

Ein weiterer Gedanke, der sich durch Cohles Auseinandersetzung mit dem Album zieht, betrifft unseren heutigen Medien- und Musikkonsum. Wir sind zu wahren Multitasking-Profis geworden, hören Musik nebenbei, beschäftigen uns gleichzeitig mit unzähligen anderen Dingen und wechseln schneller zwischen Inhalten, als wir sie überhaupt richtig aufnehmen können.

Dabei geht zunehmend verloren, was ein Album eigentlich ausmachen kann: ein zusammenhängendes Kunstwerk, das eine Geschichte erzählt, Stimmungen aufbaut und seine Hörer über mehrere Songs hinweg mitnimmt.

Cohle sieht diese Entwicklung durchaus kritisch. Gleichzeitig betrachtet er das wieder zunehmende Interesse an Vinyl als ein positives Zeichen. Eine Schallplatte aufzulegen, sich bewusst Zeit zu nehmen und ein Album von Anfang bis Ende zu hören, ist schließlich eine ganz andere Form des Musikkonsums.

Dieser Gedanke gefällt mir besonders. Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, wieder etwas mehr Geduld mit Musik zu haben. Nicht jeder Song muss innerhalb weniger Sekunden überzeugen, nicht jede Veröffentlichung muss sofort den nächsten Höhepunkt liefern. Manchmal entfaltet sich die eigentliche Schönheit eines Albums erst dann, wenn man ihm die nötige Aufmerksamkeit schenkt.

Und genau das sollte man auch bei „Queen Of Ashes“ tun.

Mein Fazit: Ein Album, das sich Zeit nehmen darf

Christian Cohle gelingt mit „Queen Of Ashes“ ein bemerkenswerter musikalischer Entwicklungsschritt. Er öffnet sich einem zugänglicheren, stärker bandorientierten Pop-Sound, ohne seine Liebe zu außergewöhnlichen Arrangements und atmosphärischen Klangwelten aufzugeben. Dabei verbindet er persönliche Geschichten und emotionale Tiefe mit einer überraschenden Portion Optimismus.

Besonders die Mischung aus melancholischen Momenten, eingängigen Melodien und musikalischen Verweisen auf große Künstler vergangener Jahrzehnte macht das Album für mich interessant. Es gibt genügend Momente, die zum genaueren Hinhören einladen, und gleichzeitig eine Leichtigkeit, die dafür sorgt, dass man sich gerne auf die zehn Songs einlässt.

Das Artwork der Vinyl-Ausgabe hätte mich persönlich stärker begeistern dürfen. Die Musik hingegen überzeugt mich deutlich mehr.

„Queen Of Ashes“ ist für mich ein Album, das zeigt, dass Popmusik durchaus Tiefgang besitzen darf, ohne dabei ihre Zugänglichkeit zu verlieren. Es erzählt von schwierigen Erfahrungen, ohne sich in ihnen zu verlieren. Und es erinnert daran, dass aus Enttäuschungen, Verlusten und persönlichen Krisen durchaus etwas Positives entstehen kann.

Vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieser Platte: Man muss nicht alles vergessen oder verdrängen, was hinter einem liegt. Manchmal reicht es, daraus etwas Neues zu machen.

Ein schönes, vielschichtiges Album eines Musikers, dessen musikalische Entwicklung ich ausgesprochen gerne weiterverfolge.

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