Ein Wiedersehen nach 30 Jahren: Magie unter freiem Himmel
Manchmal dauert es drei Jahrzehnte, bis sich ein Kreis schließt. Vor 30 Jahren durfte ich den prägenden Hero meiner Jugend das erste Mal live erleben. Umso größer war die Vorfreude, als Seal im Rahmen seiner Jubiläumstour Celebrating 30+ years of the classic albums I & II endlich wieder nach Deutschland zurückkehrte, um seine zeitlosen Meisterwerke zu feiern. Bei bestem Sommerwetter und großartiger Stimmung machte ich mich auf den Weg nach Köln, um im stimmungsvollen Tanzbrunnen auf den Beginn eines ganz besonderen Abends zu warten.
Pünktlich um 20:00 Uhr betrat Seal zusammen mit seiner erstklassigen Band die Bühne. Als die ersten Töne von AIKIN (All I Know Is Now) durch die Open-Air-Location schallten, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Das Publikum erhob sich wie auf Kommando – und ich glaube, bis zum allerletzten Ton hat sich an diesem Abend auch niemand mehr hingesetzt. Gleich als zweiten Track servierte er sein berühmtes Cover des Steve Miller Band Klassikers Fly Like An Eagle. Obwohl es „nur“ eine Interpretation ist, verbinden gerade Fans meines Alters diesen Song unrennbar mit Seal. Es war schlichtweg grandios und besorgte mir die erste mächtige Gänsehaut des Abends – und das sollte definitiv nicht die letzte bleiben. Mit Future Love Paradise und Deep Water steuerte die Stimmung direkt auf den nächsten Höhepunkt zu.
Mitten im Publikum: Stimmgewalt und ehrliche Worte
Es war vor allem diese einzigartige, unverwechselbare Stimme, die jeden einzelnen Gast im Areal fest im Griff hatte. Seal hat über die Jahre absolut nichts von seiner stimmlichen Kraft eingebüßt; er traf sowohl die samtigen tiefen als auch die glasklaren hohen Töne mit einer spielerischen Leichtigkeit. Das Kölner Publikum begleitete ihn lautstark, sang jede Zeile mit und verwandelte den Tanzbrunnen in eine riesige Tanzfläche. Seine außergewöhnliche Nähe zu den Fans bewies der Star bei Prayer for the Dying: Völlig unerwartet verließ Seal die Bühne und marschierte mitten in die Zuschauermenge. Er sang das komplette Lied von den Rängen aus, nutzte die Minuten für kleine Gespräche mit dem Kölner Publikum und richtete einen sympathischen Appell an die Menge: Man solle den Moment doch bitte einfach genießen und nicht ständig das Handy hochhalten.
Im Anschluss folgten Touch, Loneliest Star sowie die Coverversion Life’s What You Make It, bevor der Song erklang, der damals den Grundstein für seine spätere Weltkarriere legte: Killer. Als damals noch unbekannter Studiosänger nahm er den Track 1989 gemeinsam mit dem Produzenten Adamski auf. Die Single stürmte im Frühjahr 1990 Platz 1 der britischen Charts und wurde international zum Mega-Hit. Obwohl Seal auf dem Cover zunächst nicht einmal namentlich genannt wurde, war seine prägnante Stimme der Katalysator für seinen Solodurchbruch.
Auch für mich war es damals der allererste bewusste (oder unbewusste) Kontakt mit seiner Musik. Auch während Killer suchte Seal erneut den Weg ins Publikum und passte den Text kurzerhand auf Deutsch an. Überhaupt sprach er während des gesamten Konzerts überraschend viel Deutsch, erzählte von seiner tiefen Liebe zu unserem Land und wie gerne er seine Zeit hier verbringt. So ließ er die Fans statt „Brother and Sister“ einfach lautstark „Bruder und Schwester“ im Chor singen – und Köln folgte ihm aufs Wort.
Der krönende Abschluss eines unvergesslichen Abends
Kurz vor dem regulären Ende durfte natürlich das Lied nicht fehlen, das wohl fast jeder auch aus dem Soundtrack zu Batman Forever kennt: Kiss From a Rose. Diese zeitlose Ballade ist und bleibt – zumindest für mich – ein absoluter Gänsehaut-Garant. Nach diesem Welthit verabschiedete sich die Band vorerst von der Bildfläche.
Doch das begeisterte Kölner Publikum dachte gar nicht daran, den Abend schon zu beenden. Mit minutenlangem, dröhnendem Applaus und lautstarken Zugabe-Rufen holten die Fans den Star aus London zurück auf die Bretter. Als meisterhaftes Geschenk zum Abschied legte er mit Crazy und Love’s Divine noch einmal zwei absolute Giganten seiner Diskografie nach. Es war schlicht ein genialer Abend: Von der mitreißenden Atmosphäre über den glasklaren Sound bis hin zur perfekten Setlist hat dieses Konzert eindrucksvoll bewiesen, warum Seal auch nach über 30 Jahren im Geschäft die Massen mühelos bewegen, begeistern und verzaubern kann.
Alle Fotos Copyright JB der laufende Fotograf
Auf Einen Blick
- Künstler: Seal
- Tournee: Celebrating 30+ years of the classic albums I & II
- Location: Tanzbrunnen, Köln
- Atmosphäre: Intim, energetisch und extrem publikumsnah (inklusive Auftritt mitten in der Menge)
- Highlights: „Fly Like An Eagle“, „Killer“, „Kiss From a Rose“ und die Zugaben „Crazy“ & „Love’s Divine“
Seal spielt noch Drei Konzerte in Deutschland
23.7.2026 Berlin Zitadelle Spandau
24.7.2026 Hamburg Stadtpark Open Air
28.7.2026 Winterbach Zeltspektakel Winterbach
Fotos: Jan Bonk / MIKRO UND MANUSKRIPT Konzertfotograf seit 2004
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